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Workshop "Telelearning"

(Protokoll Brigitte Hutt:)

Telelearning: Lernmethode der Zukunft oder Kompromiss für Daheimgebliebene?

Die Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien im Rahmen unseres Gesellschaftswandels verändert sowohl das Verständnis als auch die Möglichkeiten von Lernarrangements im beruflichen als auch im privaten Alltag. Das Bewusstsein für lebenslanges Lernen wächst.

Speziell für Frauen, die nach wie vor in der Regel diejenigen sind, die für Familienarbeit den beruflichen Alltag lang- oder kurzfristig verlassen, bietet dieser Lern- und Arbeitsbereich interessante Aspekte, um im Zeitalter flexibler Arbeitsformen qualifiziert "am Ball zu bleiben".

Zu steuernde Faktoren im Lernprozess:
  • Ziel (woraufhin?) - legt jede für sich fest
  • Inhalte (was?)
  • Lernregulierung (wann, wo, wie lange?) - ist oft schwierig
  • Lernweg (wie, auf welche Weise, welche Hilfsmittel, allein oder mit anderen)

Telearning: ist ort- und zeitunabhängiges Lernen, via Internet oder mit Lernsoftware (CD)

Bessere Definition: Telelearning = Selbstgesteuertes Lernen ist
  • ein zielgerichteter Vorgang
  • sowohl in fremdorganisierten (institutionell eingebundenen) Lernarrangements
  • als auch in selbstorganisierten Lernformen
Vorteile:
  • örtliche Unabhängigkeit, zeitlich flexibel (Familienfrauen!!)
  • eigene Bestimmung von Inhalten und deren Strukturierung
  • der ganz persönliche Lernrhythmus (z.B. individuelle Wiederholungsphasen)

Wichtig aber: persönlichen Austausch mit anderen (Präsenz) organisieren!

Die einzelne muss in der Lage sein
  • ihren Lernbedarf zu erfassen und für sich Ziele zu entwickeln
  • den eigenen Lernprozess zu planen und vorzubereiten
  • zu entscheiden, welche Dinge sie selbst organisiert lernen will und kann und
  • ob es sinnvoll ist, institutionalisierte Lernangebote wahrzunehmen
  • den Lernprozess mit Hilfe geeigneter Lernstrategien durchzuführen,
  • das Lernen zu regulieren, die Lernleistung zu bewerten
  • Motivation und Konzentration zu erhalten
Dazu kann das Bildungsinstitut Angebote machen, z.B.
  • eine Einheit "Lernen lernen"
  • Motivationshilfen vorschlagen wie
    "wenn ich das Thema x bis Sa geschafft habe, gönne ich mir..."
Aufgabe der Lernberater ist z.B.
  • die Lernenden bei der Entscheidung der Lerninhalte und Lernwege zu beraten und
  • Orientierung zu geben
  • die angemessenen Lernarrangements zur Verfügung zu stellen
  • die Auseinandersetzung der Lernenden mit dem Lernangebot zu fördern
  • Alte Strategien ggf. verändern zu helfen
  • die Lernenden bei der Ergebniskontrolle zu unterstützen
Bsp.:
per eMail Lernpaket für 1 Woche schicken, Ergebnisse in einer Woche per eMail erwarten. Kontrolle der Ergebnisse, Nachfrage, wenn sie fehlen, woran es liegt. Zu jederzeitigem Anruf (im Rahmen angemessener Arbeitszeiten) auffordern, sich Zeit nehmen.

Telelearning ist sehr aufwändig. Braucht viel Engagement, damit es gut wird. Es muss von vornherein Pufferzeit zur Beobachtung jeder einzelnen eingeplant werden: wie geht es ihr? Wo steht sie? etc.

Es gibt Ausbildungen zum online- oder Teletutor (z.B. ihk)

Vorstellung des Projekts WABE "Qualifizierung zur Informationsmanagerin durch e-learning- (IBM certified)"

WABE Klicken Sie, um ein großes Bild zu erhalten

Bildungseinrichtungen können WABE kaufen (teuer, ca 16DM/TN/Std). Sie kaufen damit ein Gesamtkonzept inkl. pädagogischer Betreuung, das sie noch anpassen können (9-11 Monate). Telehaus Wetter / Marburg hat eine AA-Förderung (Modellprojekt) erreicht, die ¼ Mio gekostet hat. Stichpunkte dazu:

  • 20 TN
  • Computerequipment wurde der TN gestellt, sie musste nur ISDN und t-online beantragen.
  • Bewerbung mit Unterlagen und eingehendem Gespräch (Themen: wo lernen Sie? Haben Sie einen eigenen Bereich? Können Sie sich Freiraum schaffen? Sind die Kinder versorgt? Können Sie die Präsenztage wahrnehmen?)
  • Starke Motivation erforderlich zum Durchhalten!
  • Alle 2-3 Wochen Fr/Sa Präsenztage, 3 Wochen "Ferien"
  • Einführungsworkshop, Kommunikationstraining (4 Tage)
  • EDV-Einführung: Starten des Lernprogramms, eMail-Einführung
  • Dann zuerst Lerneinheiten im Lernprogramm, danach Präsenz
  • (es gab enorme technische Probleme...)
  • Lerntagebücher (Pflicht): Lernzeiten eintragen, zurückschicken, Tutorin bewertet und bespricht
  • Unternehmensplanspiel (Gruppen zu 4-5 TN)
  • Office in 2 Monaten durchgezogen (Knochenarbeit für die TN). Jede kann jederzeit Lektionen wiederholen, außerdem wird alles im Planspiel in praktischen Aufgaben eingesetzt.
  • Lernsoftware auch für Moderation und Präsentation, danach Präsenzworkshop.
  • permanente pädagogische Betreuung, die 1x wöchentlich TN-Feedback erbeten hat.
Erkenntnisse:
  • Tipp: Unter der Woche die Fragen der TN sammeln, dann alle Fragen und Antworten an alle mailen.
  • Personell intensiver als erwartet! Gut, wenn 1 Person Projekt- und Kursleitung macht, eine weitere die Tutorin ist.
  • Die Tutorin sollte
    • sofort auf eMails reagieren, mindestens mit "ich schaue es mir an"
    • die Lernsoftware gründlich kennen
    • auch zu Präsenzphasen kommen, Infos auch persönlich geben, immer wieder zu Terminen einladen
  • Es müssen massive Prüfungsängste aufgefangen werden.
Software:
TutorWin: Windows und OfficePro, sehr gut, aber teuer.
Berlitz online Sprachkurs: sehr gut, noch teurer.
Es gibt massenhaft Lernsoftware, aber vieles ist unter aller Kritik, auch von namhaften Unternehmen.

Fragen, die vor der Einführung von Telelearning gestellt werden müssen:

  • Anforderungen an den Bildungsträger: wer kann und sollte Telelearning anbieten?
  • Welche Auswirkungen kann Telelearning auf klassische Gruppenprozesse haben?
  • Selbstorganisation und häusliche Isolation: wie kann die Lernende typische Fallen vermeiden?
Stichworte dazu:
  • Gute (teure!) Lernsoftware muss angeschafft werden
  • Personal mit ausreichend Zeit und Betreuungskompetenz muss da sein
  • Beratungsgespräche mit sorgfältiger technischer und Zeitplanung müssen geführt werden
  • Erreichbarkeit der Tutorin muss sichergestellt werden
  • Lernmaterialien/Übungsmaterialien müssen angeschafft oder erstellt werden
  • mit jeder TN müssen individuelle Lernpläne ausgearbeitet werden
 
  nach obenStand 24.2.02
 

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