Frauen-Computer-Schulen.de
Piona News -
Ausgabe 5, April 99
Überregionales
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7. Internationaler Kongress
der Frauen-Computer-Schulen und FrauenTechnikZentren in Erfurt

Inhalt

Editorial
Impressum


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Editorial
Einzig dauerhaft ist die Veränderung

Es scheint, wir befinden uns in Umbruchzeiten - persönlich wie beruflich wie institutionell.
Vereine werden Unternehmen, die Kleine AG entpuppt sich als Emanzipationsmodell. Managementfragen stehen nicht länger im Widerspruch zu sozialem Engagement oder politisch motiviertem Handeln - im Gegenteil. Daß dabei Illusionen fallen, versteht sich von selbst - aber nicht unsere Ideale!
Angelika Huber


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frauen online 2000

lautete das Motto des 7. internationalen Kongresses der Frauen-Computer-Schulen und FrauenTechnikZentren, der vom 26. bis 28. Februar 1999 "in der geografischen Mitte Deutschlands", in Erfurt, stattfand. Organisiert wurde der Kongreß von Grit Feistel und Christiane Schwahn, FrauenTechnikZentrum Erfurt.

Rund 100 TeilnehmerInnen besuchten den Kongreß, 70 Frauen nahmen an 6 Workshops teil. Das internationale Publikum kam aus Deutschland, Luxemburg, Frankreich, Österreich, der Mongolei (FTZ Ulaanbaatar), und vertrat rund 50 Einrichtungen beruflicher Fortbildung von Frauen für Frauen.

Vorstandswechsel bei PionaPoint e.V.

Vor dem Kongreß fand die Mitfrauenversammlung von PionaPoint Teleworking Management e. V. statt.

"Neuer Vorstand - alter Vorstand": Susanne Thoma von der medien & management GmbH, 10119 Berlin, Christinenstr. 18-19, Tel: 030/ 443 83 469, e-mail: thoma@mezen.bln.de löst die PionaKoordinatorin Angelika Huber von der FCS München ab. Ihr zur Seite stehen: Ingrid Flohr, Einkommens- und Budgetberaterin, früher beim FTZ Rostock, Tel: 0177/ 801 93 77 und Birgit Kurtze, Wirkstoff e.V., 10115 Berlin, Rheinsberger Str. 74-77, Tel: 030/ 440 225 20.

Kürzeststeckbrief der Piona Vorstandsfrauen: Susanne Thoma, Jg. 1958, verh., keine Kinder, Diplompolitologin; Ingrid Flohr, Jg. 1959, gesch., 2 Kinder, Diplomingenieurin; Birgit Kurtze, Jg. 1961, Single, Anwendungsprogrammiererin und EDV-Organisatorin.

Die Mitfrauenversammlung von Piona

Die Tagesordnungspunkte u.a.:

  • Jahresabschluß
  • Satzungsänderungen
  • Wahlen zum Vorstand
  • Wahlen zum Beirat
  • Anträge, Beschlußvorlagen

Dank der exzellenten Vorbereitung der Mitfrauenversammlung konnte wieder einmal ein Rekord aufgestellt werden: die TOPs waren binnen zweier Stunden erfüllt!

Die PionaWorkshops im Oktober 98 (Berlin) und im Januar 99 (Hannover), beide moderiert von Dr. Marie Sichtermann von Geld & Rosen, bereiteten "die Staffelübergabe" vor:

Satzung an die Realität angepaßt

Wesentliche Änderungen sind:

  • die Einführung eines geschäftsführenden Vorstands,
    damit verbunden
  • dessen erweiterte Handlungskompetenz;
  • die Einführung eines Beirats als ständige demokratische Vertretung der MV (mit dabei: Angelika Huber, München, Christine Scherer, Berlin, Petra Semmert, Nürnberg, Sabine Schillbach, Rostock, und als Ehrenbeirätin Dr. Marie Sichtermann, Mechernich)

Unmittelbare Ziele u.a.:

  • Die "Lokomotiv-Erhebung" umsetzen (der Dachverband finanziert sich selbst);
  • Berufsfeld PointManagerin auf eine europäische Ebene bringen;
  • das PionaSiegel entwickeln;
  • sich der "Vernetzung der Netze" anschließen (z. B. enge Koopera-tion mit dem Deutschen Gründerinnen Forum und mit Fachkonferenzen);
  • Kooperationsveranstaltung mit der Heinrich-Böll-Stiftung im August 1999.
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Die Workshops des Kongresses:

Insgesamt standen sechs Workshops zur Auswahl:

  1. Private Finanzquellen für Frauenprojekte
  2. Ernsthaft EDV unterrichten - mit Spiel und Spaß
  3. Frauen "unternehmen" was!
  4. Wer bin ich - wie wirke ich - wie will ich sein?
  5. Multimedia - Ausbildung für Neu-, Wieder- und Quereinsteigerinnen
  6. Aufbau eines Telecenters

1. Workshop: Wo kommt die Knete her?

Dr. Marita Heibach, Fundraiserin und Vorstandsfrau der BSM (Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmarketing), leitete den Workshop und postulierte die Ergebnisse im Podium:

  • wir müssen umdenken
  • sowohl intellektuell als auch in bezug auf unsere Motivationsstrategien; vgl. Ausgabe 11 der "Gutt’ne"
  • sie erinnerte an den Erbinnen-Kongreß, wünschte sich und uns
  • den richtigen Sponsor für das richtige Projekt und
  • wies darauf hin, daß Fundraising gerade für Frauen ein neues Berufsfeld eröffnet (das in den USA bereits zu 2/3 von Frauen genutzt wird)

Buchtip: Handbuch Fundraising, Dr. Marita Heibach

2. Workshop: Ernsthaft EDV unterrichten - mit Spiel und Spaß

Bei diesem Workshop, geleitet von Angela Ingianni, Suggestopädin und Mitorganisatorin der Frauen-Computer-Schule München, ging es um die Vermittlung der ganzheitlichen Lehr- und Lernmethode Suggestopädie. Gleichzeitig wurde damit der Workshop des Kongresses 97 (Wien) fortgesetzt, der auch eine Ideenbörse bot, einen Austausch an Materialien, Erfahrungen und Demos suggestopädisch aufgebauten EDV-Unterrichts.

An Inhalten wurden (vor allem lachend) vermittelt und erworben:

  • Die wichtigsten Bauteile eines PCs - das PC-Team und mindestens 4 Variationen, wie das Erlernte spielerisch wiederholt werden kann
  • Absatzformatvorlagen in Word - im Rollenspiel begreifen, worauf es bei Formatvorlagen ankommt
  • Dateiablage - das elektronische Büro ganzheitlich verstehen lernen und finden, was Sie suchen
  • Aktivierungsübungen - damit keine "wegklickt"

3. Workshop:Frauen "unternehmen" was!

Der Workshop, koordiniert von Barbara Wagner (Zentrum für Weiterbildung, Frankfurt), zeigte eine beeindruckende Bandbreite, sich im informationstechnologischen Bereich selbständig zu machen: ausgehend vom PionaModell der PointManagerin wurden vorgestellt:

  • Informationsbrokerin
  • Multimedia-Designerin
  • Internet-Providerin

Christiane Pausewang stellte die EU-finanzierte Fortbildung zur Informationsbrokerin (Dauer: 12 Monate) des Zentrums für Weiterbildung Frankfurt vor, Dora Murphey und Silvia Mack von Goldnetz Berlin das EU-Projekt Multimedia-Design (Dauer: 14 Monate).

Beide Projekte wenden sich an arbeitslose Akademikerinnen mit dem Ziel, für den 1. Arbeitsmarkt zu qualifizieren.

Beide kommen auch zu nahezu identisch formulierten Anforderungen an die Teilnehmerinnen:

  • traditionelle Erwartungshaltungen an das Arbeitsleben überwinden (Qualifizierung » Festanstellung » Rente)
  • Schlüsselkompetenzen (wie z. B. Teamfähigkeit) nehmen den gleichen Stellenwert ein wie fachliche Fähigkeiten
  • Das Internet erlaubt selbständiges und vernetztes Arbeiten
  • In jedem Fall ist Eigeninitiative unerläßlich

Die Internet-Providerin Gaby Gläsener-Cipollone von Twin-Wave, Frankfurt, brachte ihren Werdegang auf den Punkt:

"Aufgrund von gutem Service sind wir zu einem Unternehmen geworden."

Ihre erfolgreiche Existenzgründung in und mit dem Internet beschreibt sie mit einer "Checkliste", die sie und ihre Partnerin, zusammen mit 15 MitarbeiterInnen, offenbar regelmäßig abhaken:

Erfolgs-Checkliste

  • Businessplan und -strategie
  • Kontaktfreudigkeit und Fähigkeit, andere zu motivieren
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Unterscheidungs- und Integrationsfähigkeit
  • Flexibilität und Mobilität
  • zielgerichtete und systematische Arbeitsweise (Prioritätensetzung)
  • Belastbarkeit und Ausdauer
  • Lernfähigkeit

Neben diesen für das "Management nach innen" geltenden Erfolgskriterien nannte Gaby Gläsener-Cipollone für ein erfolgreiches "Management nach außen":

  • frühzeitiges Erkennen von Trends in der Technologieentwicklung und am Markt;
  • kundenorientierte Lösungen anbieten, anstelle von technikorientierten;
  • aktives Mitwirken in relevanten Multimedia- und Internetgremien;
  • Marketing: PR, Vertrieb;
  • ineinandergreifendes Management der Bereiche "Business" und "Technik".

Bei der sich daran anschließenden Diskussion um das Thema

Expansion & Qualitätssicherung

wurde offenbar ein "Nerv" der Frauen-Computer-Schulen und FrauenTechnikZentren getroffen: plötzlich ging es nicht mehr nur um die Frage, welche Angebote die Einrichtungen bieten können, um Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen als Zielgruppe zu gewinnen, sondern auch um die eigene Existenzsicherung, Expansion und Unternehmensform.

Es wird umgetopft

Als Trend zeichnete sich ab:

  • die in der Gründungszeit gewählte Unternehmensform ist oft nicht mehr adäquat - der Vereinsschuh drückt, das BGB-Jackett zwickt, die Einzelunternehmung stimmt schon lange nicht mehr für das Team…

AG Professionalisierung

Die spontan gebildete Arbeitsgruppe visualisierte die Beziehungsfelder in:

  1. fachliche Probleme,
  2. zwischenmenschliche Herausforderungen und
  3. strukturelle Hindernisse

Wer denkt schon an "Expansionsmanagement", wenn frau eine Schule gründet, alleine anfängt - doch das Team wächst, ein Projekt zieht das nächste an, womöglich kommen verschiedene Standorte dazu, wer behält den Überblick?, wer koordiniert die Aufgabenvielfalt?, wer sichert die Qualität und schaut über den Tellerrand hinaus?

"Nicht im Tagesgeschäft versinken",

lautete dann auch die Forderung der AG, die im zwischenmenschlichen Beziehungsfeld folgende Herausforderungen sah:

  • soziale Kontakte pflegen
  • sich selbst motivieren
  • die Kolleginnen motivieren (Problem: "Satellitenfrauen"!)
  • Konflikte zwischen Haupt- und
  • Ehrenamtlichen
  • fehlende Identifikation mit dem Betrieb
  • "Chefin" als "Kontrolleurin"
  • wer hat welche Entscheidungskompetenz (Schere: Handeln & Verantwortung).

An strukturellen Herausforderungen wurden vor allem festgestellt:

  • mehrere Standorte managen
  • welche Struktur für welchen Businessbereich, Profilbildung, Spezialisierung
  • welche Unternehmensform unter steuerlichem Aspekt
  • welche unter dem Aspekt des Marketing
  • welche unter dem Aspekt der Organisation (gibt es eine Frauen adäquate Form???? Ohne Ballast, ohne profilneurosenfördernde Strukturen, ohne Hierarchien - dafür: partizipativ, integrativ, verantwortlich, sozial?????)

Eine abschließende Antwort konnte noch nicht gefunden werden - aber: wir arbeiten dran!

4. Workshop: Wer bin ich - wie wirke ich - wie will ich sein?

Diesen Workshop leitete Dr. Ulrike Galander, Supervisorin aus Erfurt. Die Arbeitsschwerpunkte:

  • Selbstbewußtsein und Selbstorganisation
  • kommunikative Kompetenz
  • Umgang mit Konflikten

Die Präsentation der erworbenen streitkulturellen Fähigkeiten erfolgte im Plenum so überzeugend, daß die Moderatorin glaubte, sie müßte in einen scheinbar unkontrollierten Streit eingreifen - der doch "nur" die zivilisierten Stufen einer gelebten Streitkultur veranschaulichte:

  1. Die Motivation / das Thema
  2. Die Aktionsphase / Kulmination
  3. Das Kompromißangebot
  4. Das Integrationsangebot (alle sitzen wieder im selben Boot)

5. Workshop: Multimedia - Ausbildung für Neu-, Wieder- und Quereinsteigerinnen

Dr. Gabriele Schade, Dozentin der TU Ilmenau, beleuchtete kritisch den Begriff der "Neuen Medien", der "nur deutschlandtypisch ist", und den es "international nicht gibt". An seine Stelle setzte sie den Begriff

Digitale Medien

(gekennzeichnet durch Digitalisierung, Vernetzung und Interaktion) und stellte einen EU-geförderten Ausbildungsgang vor, der sich, ähnlich wie das Projekt von Goldnetz e. V. an arbeitslose Akademikerinnen wendet, aber in die universitäre Ausbildung (als 2-jähriger Aufbaustudiengang) integriert ist - mit der Konsequenz, daß

  • die unterschiedliche Vorbildung der Teilnehmerinnen auszugleichen noch schwieriger ist (im universitären Lehrbetrieb: in Vorlesungen, Seminaren, etc.) und
  • der Effekt des "Learning by doing" im universitären Kontext schwer zu realisieren ist bzw. als "zu zeitaufwendig" gilt. Daraus resultieren
  • Theorie-Überfrachtung und
  • Motivationsprobleme.

6. Workshop: Aufbau eines Telecenters

In diesem Workshop referierte Claude Kelner in englischer Sprache über das von ihr mit aufgebaute und geleitete Telecenter in Paris.

Sie beschrieb es als

  • profit center;
  • NOW-Projekt mit dem
  • Ziel, Frauen den Zugang zu IuK-Berufen zu ermöglichen, und damit bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen;
  • bezeichnete es explizit nicht als "Call-Center" (der Begriff ist in Frankreich unbekannt), nannte als Vorbild dagegen das englische Modell "tele cottage";
  • das Telecenter in Paris wird derzeit noch durch Fonds der Regierung unterstützt, ist aber mit dem Ziel der Selbstfinanzierung konzipiert;
  • bietet Unternehmen professionellen Service an (von Hotline, "help desk" über Telesekretariat, Übersetzungen bis hin zu "Teleselling");
  • etablierte auch ein Trainingscenter und einen Videokonferenzraum.
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Kongreß 2000

Der nächste Kongreß der Frauen-Computer-Schulen und FrauenTechnik Zentren findet vom 3. bis 5. März 2000 in Bremen statt:

Frauen-Erwerbs- und Ausbildungsverein
Edith Laudowicz / Bettina Hartmann
Carl-Ronning-Str. 2, 28195 Bremen
Tel: 0421/ 122 61
e-mail: edilau@rossnet.de

Themenvorschläge:

e-business, Qualitätsmanagement (PionaSiegel!), Telelearning, Suggestopädie, Organisationsentwicklung, Zukunftswerkstatt, Vernetzung der Netze, und auch ein technisches Thema (z. B. Entwicklung des Internet).

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FCS München wird eine Kleine AG

Die Frauen-Computer-Schule München transformiert zum 1.1.2000 zur Kleinen AG.

Die BGB-Gesellschaft Huber & Seidel geht schon lange nicht mehr konform mit dem "management by rotation"-Modell, das mittlerweile 13 Organisationsfeen in das Management integriert, ohne ihnen auch rechtlich Handlungskompetenz zu geben.

Wir werden Aktionärinnen!

Die "Kleine AG", eine Rechtsform, die es erst seit 1995 gibt (s. "Existenzgründung für Frauen", mvg Verlag 1999, Autorin: Angelika Huber) scheint nun die Lösung zu sein, die Schere Handeln & Verantwortung zusammenzuführen.

Das Vorstandsteam rekrutiert sich aus dem Organisationsteam, dem auch Elisabeth Seidel angehört. Angelika Huber, die zweite BGB-Gesellschafterin, geht in den Aufsichtsrat, dem auch Christine Wittig (Link-M, Internet-Providerin der FCS) und Dr. Hildegard Kronawitter, Landtagsabgeordnete und Diplomvolkswirtin, angehören wird.

Die Aktien können bereits jetzt reserviert werden, lauten auf je 250 Euro (entspricht rund 500 Mark) und können pro Person bis maximal 20.000 Mark gezeichnet werden. Gekauft und verkauft werden sie über die FCS AG direkt, wobei der Verkauf an die Zustimmung des Aufsichtsrats gebunden ist (= vinkulierte Namensaktien).

Die erste Frauen-Aktiengesellschaft lädt alle Frauen-Computer-Schulen, FrauenTechnikZentren und dem Pionaverband assoziierten Einrichtungen herzlich zu einer Beteiligung ein!

Aktien-Optionskarten und Hintergrundinformationen sind jederzeit erhältlich bei der FCS München, 089/ 167 55 89, e-mail: FCS-M@link-m.de

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herausgegeben von der Frauen-Computer-Schule München, verantwortlich:

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